Archiv der Kategorie: Das Böse

Leos Sohn

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Durchgehend waren die Kirchenbänke in Fußhöhe mit Heizungsrohren versehen. Die Kirche war weit und dunkel. Nur nah beieinander stehende Kerzen waren als ein weißes Licht im Altarraum zu erkennen. Es war ein einfaches Volk, mit seinen Witzen zwischendurch, das nun Platz nahm. Manche mochten verheiratet sein, sie stießen einander in die Seiten, einander Anweisungen gebend. Manche hatten ihre Kinder in die dunkle Kirche mitgenommen, die jäh aufschrieen, was geisterhaft oder, je nach Betrachtungsweise, neurotisch klang. Der Pfarrer sagte, Leos Sohn sei gekommen, das einzige Kind, ganz plötzlich, und kümmere sich nun um ihn. Er bat, an Leo zu denken. Niemand dachte: „guter Sohn“. Es gab Menschen, für die bedeutete die Familie nur Mühe und Leid.

Theodizee

Die Aufgabe einer Kritik Gottes lässt sich als die Frage nach seinem Verhältnis zum Leid beschreiben. Dabei gehört zum Leid im eigentlichen Sinn des Wortes nur das moralisch wirksame Leid. Denn nur wenn mein Sinn für Recht und Gerechtigkeit verletzt ist, dann leide ich wirklich. Nur das sittlich wirksame Leid empfinde ich als böse. Es ist klar, dass neben dem Leid im moralischen Sinn weitere Kategorien des Leids existieren – Formen des Leids, die ich nicht oder allenfalls bedingt beeinflussen kann, unverschuldete Naturkatastrophen zum Beispiel, Krankheiten. In solchen Fällen leide ich in physischer Beziehung. Als böse wahrgenommen werden diese Formen des Leids allerdings nur dann, wenn ich sie personifiziere, wenn ich sie zu meiner Sache mache, wenn ich den Kampf gegen sie aufnehme. Es drängt sich daher die Frage auf, ob ein abstrakter Gott mir ein Maßstab im Kampf gegen das Leid sein kann.

Der Mensch, das Reittier des Teufels

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Der Mensch sei das Reittier Gottes oder des Teufels, d.h., er wird von Gott zum Guten und vom Teufel zum Bösen gezwungen. So ähnlich hat sich Martin Luther geäußert, der der festen Ansicht war, dass der Mensch nicht der Herr im eigenen Hause sei. Martin Luther glaubte an die Macht Gottes und des Teufels.

Der Teufel hat viele Gesichter. Er und seine Dämonen beherrschen den Menschen. Luzifer verführt den Menschen zum Hochmut (superbia), Mammon zur Habgier (avaritia). Leviathan bewirkt den Neid (invidia), Satan den Zorn (ira). Asmodeus weckt die Wolllust (luxuria), Beelzebub den Hang zur Völlerei (gula), Belphegor die Faulheit (acedia).

Die Seele sei der Kampfplatz von hundert Dämonen und Gespenstern. Mit dieser Ansicht steht Martin Luther nicht allein. Die imaginäre Welt der Dämonen ist fester Bestandteil der Religionen.

Arbeitsanregungen:

  1. Diskutiert, auf welche Situationen sich das Bild anwenden lässt, Situationen, in denen Menschen nicht mehr Herr im eigenen Haus, also besessen sind.
  2. Schreibt eine Szene, in der einer der sieben Dämonen aus dem Bild auftritt. Die Szene sollte in eurem Leben spielen und mit drei Mitspielern besetzt sein.
  3. Spielt die Szene in der Gruppe vor.

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