Archiv der Kategorie: Gerechtigkeit

Nabots Weinberg


Der Fall Nabot (1 Kön. 21,1–16)

In dieser Kriminalgeschichte ist die Schuld bereits erwiesen. Aller Verdacht muss auf Isebel fallen, König Ahabs Frau. Isebel, eine der Töchter König Etbaals von Phönizien, ist es nämlich, die auf die grausamste Art die Interessen ihres Mannes gegen Nabot durchsetzt, den Winzer mit dem schönen, hinter dem Palast bergan steigenden Weingut.

Abends ging Nabot, der Jesreelit, den Hügel hinauf; wo die Zweige sich öffneten, stand er lange und betrachtete das Erbstück des Vaters. Auch er hatte Anspruch auf Gehör.

Ein Zeuge zeigt sich während der Verhandlung bestürzt darüber, wie spärlich die Informationen fließen. Er verstehe die Logik des Prozesses nicht. Kein angeblicher Zeuge könne ihn dazu bringen, zu glauben, dass Nabot ein Lump gewesen sei.

Unten aus der Ebene blickten Türme und Häuserlasten zu Nabot hinauf. Des Königs Türme.

 
Arbeitsanregungen:

  1. Nabot erwartet ein trauriges Schicksal. Lies seine Geschichte (1 Kön. 21,1–16). Überlege: Wer könnte Nabot retten? Seine geliebte Frau Deborah (s. die Todesanzeige)? Oder sogar König Ahab selbst? Erfinde zu Nabots Geschichte ein neues Ende. Erzähle aus der Sicht Deborahs oder König Ahabs.
  2. Stell dir vor: Königin Isebel wird der Prozess gemacht. Inszeniere im Rahmen eines Rollenspiels eine spannende Gerichtsverhandlung.

 

Die Insel der Gerechten

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Die Sache der Gerechtigkeit

Zur Tugend im ursprünglichen Sinn des Wortes wird Gerechtigkeit erst dann, wenn sie wirklich in sittliche Verhältnisse eingreift. Nur so entsteht das gemeinsame „gute“ Leben. Es hat allerdings den Anschein, als ob die Vorstellung von einem „guten“ Leben unvereinbaren Einzelinteressen folgt. Ist das so, dass der Einzelne stärker durch sein Eigeninteresse gelenkt wird, dann dient Gerechtigkeit aber allein dem Zweck, Schlimmeres, das sich sich daraus ergeben könnte, zu verhüten. Sie erscheint als Mittel des Ausgleichs, und ihre Nähe zu Gesetz und Strafe ist damit implizit gegeben. Ein Schaden wird zum Beispiel aufgrund des Gesetzes wiedergutgemacht. Derjenige, der den Schaden verursacht hat, ist unter der Androhung von Strafe dazu verpflichtet, einen angemessenen Ausgleich zu leisten. Es drängt sich die Frage auf, ob die Idee der Gerechtigkeit damit erfüllt wäre. Gerechtigkeit macht offenbar Mühe, und ihre Sache bedarf des Gesetzes und der Strafe.

Arbeitsanregungen:

Sie haben sich entschlossen, der Idee der Gerechtigkeit im Sinne der Bergpredigt gerecht zu werden und sind dafür gemeinsam auf eine Insel gezogen. Das gemeinsame „gute“ Leben soll von Regeln bestimmt sein. Einigen Sie sich auf

  1. zehn Regeln,
  2. und einen gemeinsamen Tagesplan.

Überlegen Sie dabei, wie Sie individuelle und allgemeine Interessen miteinander vereinen können, wie Sie die notwendigen Aufgaben verteilen. Verhängen Sie Strafen, falls die Inselregeln nicht befolgt werden? Begründen Sie möglichst viele Entscheidungen grundsätzlicher Art mit den entsprechenden Versen aus der Bergpredigt. Protokollieren Sie Ihre Beratungen und Entscheidungen und hängen Sie die Inselordnung auf Plakaten aus.