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Der Aufstieg aus der Höhle

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Platons Höhlengleichnis als Seinsgleichnis

Platons Höhlengleichnis kann auch als Seinsgleichnis gedeutet werden. Entscheidend dabei ist es, den Aufstieg aus der Höhle zu verstehen. Der Aufstieg ist der Schlüssel zum Verständnis des Gleichnisses. Denn den Aufstieg zu begreifen, heißt, die unterschiedlichen Stufen des Seins ermessen zu können. Nur der, der die Höhle verlässt, kann die Meinungen der Höhlenbewohner im Hinblick auf die Wirklichkeit außerhalb der Höhle kritisch prüfen. Er weiß Schein und Sein zu unterscheiden. Er hat einen Begriff von realer und hypothetischer Existenz. Nur er kann sagen, was wirklich ist, ob beispielsweise Einhörner existieren oder die verschwundene Insel Atlantis mehr ist als bloßer Inhalt der Vorstellung.

Außerhalb der Höhle existieren Sonne, Mond und Sterne, aber auch Bäume, Städte und Menschen, kurz gesagt: die Realität, deren unvollkommene Nachbildung innerhalb der Höhle gezeigt wird. Außerhalb der Höhle ist es möglich, die Realität im Lichte der (ontologischen) Vernunft zu betrachten. Platons Höhlengleichnis beruht also auf der Idee, dass der Aufstieg aus der Höhle eine „Zusammenschau“, d. h. den Blickwinkel Gottes ermöglicht.

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