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Fides quaerens intellectum –

Oder: Vernünftig von Gott reden

Kein Denken beginnt mit nichts. Die Rede von Gott ist durch Gott bedingte Rede. Mit anderen Worten: das Besondere an der Rede von Gott besteht darin, dass sie von Gott abhängt und nicht mehr dieselbe ist in dem Fall, dass Gott nicht existiert. Wer von Gott redet, setzt demnach die Existenz des Gegenstands seiner Rede voraus. Anders verhält es sich, wohlgemerkt, im Fall von Wesen, deren Existenz reine Einbildung ist. So macht es prima facie keinen Unterschied in Bezug auf die Rede von Einhörnern, ob Einhörner existieren oder nicht. Geht es aber um Gott, bildet Gottes Existenz eine Bedingung, ohne die Gott nicht einmal gedacht werden kann (conditio sine qua non). In diesem Sinne ist Anselm von Canterbury (1033–1109) zu verstehen, wenn er die erste Darlegung seines Gottesbeweises folgendermaßen abschließt: „Dank sei Dir, Herr, dank sei Dir, dafür, dass ich durch Dich erleuchtet erkenne, was ich früher durch Dich beschenkt schon geglaubt habe; wollte ich auch an Dein Dasein nicht glauben, so wäre ich doch außerstande, es nicht zu erkennen“.

Laut Anselm schließt die Rede von Gott die Existenz Gottes als eine besondere Eigenschaft ein. Sein Gottesbeweis stützt sich auf die Vernunft (fides quaerens intellectum). Hierbei ist aber zu beachten, dass der Begriff der Vernunft mehrdeutig ist. Ontologische Vernunft (intellectus) muss von instrumenteller Vernunft (ratio) unterschieden werden. Während die ontologische Vernunft die Existenz der Gegenstände thematisiert, ihr Dasein und Sosein, richtet der Blick der instrumentellen Vernunft sich auf die Beziehungen der Gegenstände untereinander. Die Vernunft reduziert sich dann auf die Fähigkeit des Berechnens und Argumentierens. Die Mittel-Ziel-Beziehung steht im Vordergrund des Interesses. Ein Gottesbeweis ist dann unmöglich.

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