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Die zwei Namen Jesu

Wie ist dein Name?

Das Problem des Namens im Falle der Propheten und im Falle des Gottessohnes

Das Problem besteht darin, dass der Name Gottes den Propheten geläufiger ist als der eigene, als spielte ihr eigener Name gar keine Rolle mehr. Name und Wesen sind bei den Propheten geradezu austauschbar. Als Jona beispielsweise nicht mehr für seinen Auftraggeber einstehen wollte, verschlang ihn der Wal, und er war vom Erdboden verschwunden. Er hatte keinen Namen mehr. Er war drei Tage und drei Nächte verstoßen und verzweifelt, ehe er einen neuen Auftrag erhielt. „Und der HERR sprach zu dem Fisch, und der spie Jona aus ans Land“ (Jon 2,11). Jona teilte darauf wieder das Wesen Gottes mit und wurde auf diese Weise seinem Namen gerecht, Prophet im Auftrag des HERRN zu sein.

Allein der Gottesname bleibt bestehen im Falle der Propheten und im Falle des Gottessohnes. Denn nur der Name verbürgt das geistige Sein des von Gott Gesandten. Seinen zweiten, dritten oder vierten Namen erhält Jesus, als Petrus ihn als den „Gesalbten“ (Christus) anspricht: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16,16). Viele Namen sind für den Galiläer im Umlauf, teils von Anhängern, teils von Gegnern, und Jesus nimmt sie ohne sichtliches Interesse zur Kenntnis: „Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei? Sie sprachen: Einige sagen, du seist Johannes der Täufer, andere, du seist Elija, wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten“ (Mt 16,13–14). Die Namensgebung durch Petrus aber übertrifft die von einem Engel beauftragte Namensgebung bei der Geburt: „Dem Kind sollst du den Namen Jesus geben“ (Mt 1,21). Jesus fühlt sich offenbar durch den Namen „Christus“ in seinem Wesen ganz erfasst und verbietet Petrus und den anderen Jüngern, darüber zu sprechen: „Dann gab er den Jüngern strengen Befehl, sie sollten niemandem sagen, dass er der Christus sei“ (Mt 16,20).

Die zwei Namen Jesu

Mich interessiert, wann Jesus seinen irdischen Namen aufgegeben hat, um seinen neuen anzunehmen, wohl wissend, dass der alte Name, der, bei dem er zuerst „gerufen“ worden ist, Segen bedeutete (vgl. Jes. 43,1). Aus welchem Anlass wählte er den Namen „Christus“ und wozu? Ein himmlischer, ein geflügelter Name, wie er herumgetragen zu werden pflegte im Volk, ein „pneumatischer“ Name, so wie der Apostel Paulus ihn aufgefasst hätte – damit folge ich einer Bemerkung des Apostels, über den ersten und den zweiten Menschen in Christus, die auch mit Blick auf die zwei Namen Sinn ergibt:
„Der erste Mensch ist von der Erde, irdisch, der zweite Mensch ist vom Himmel“ (1 Kor 15,47).

Arbeitsanregungen:

Sammle weitere Namen Jesu.

Warum wurden die Anhänger Jesu nicht Jesuaner, sondern Christen genannt?

Die Sache Jesu

Von Klaus Berger stammt der Satz, dass es in der Bergpredigt um „etwas scheinbar Abseitiges“ gehe (Klaus Berger: Jesus. München 2007, S. 321). Das müsse bedacht werden, wenn die Bergpredigt recht interpretiert werden soll. So gibt es laut Berger keinen Grund, die Bergpredigt allein als „ethisches Fundament“ (ebd.) zu betrachten. Zwar werde auch auf dies reflektiert, auf den „Einsatz für die Opfer und Schwächeren in unserer Gesellschaft“ (ebd.). Dennoch sieht Berger keinen Grund dafür, den religiösen Anspruch in der Rede Jesu zu missachten. So sei auch ein utopischer Gehalt von vornherein auszuschließen. Wer mit dem Text vertraut ist, weiß, dass diese Interpretation in der Tat eine abenteuerliche Verkennung darstellt. Sinnvoll wird die Bergpredigt nämlich erst in ihrer religiösen Auslegung. Nichts könne daher die scheinbar abseitige Rede vom „Schatz im Himmel“ ersetzen (vgl. Mt 6,19–21), sie steht Klaus Berger zufolge im Zentrum der Worte Jesu (ebd.).

Die Bergpredigt enthält die Aufforderung, sich zu Gott hinzuwenden. „Der absolute Wert – der Schatz – ist für Matthäus die Anerkennung der Herrschaft Gottes und die bedingungslose Unterwerfung des Menschen unter sie“ (ebd.). Dieser Satz Bergers ist hart, weil er Distanz zur Welt anzeigt.