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Über den Ursprung der Religion

Das Kritias-Fragment

Wenn der Mensch das Maß aller Dinge ist, dann sind die Fähigkeiten des Menschen von besonderem Interesse. Zu diesen Fähigkeiten gehört zum Beispiel der Ordnungssinn. Der Mensch bringt die Dinge in Ordnung, mithilfe von Ideen, mithilfe seiner Zeichen. So habe er auch die Religion erfunden, heißt es in einem dem Sophisten Kritias zugeschriebenen Fragment.

Der Text entwickelt die folgende Theorie:

  1. Am Anfang habe es keine Ordnung gegeben.
  2. Gesetze hätten zeitweilig für Ordnung gesorgt.
  3. Doch trotz der Gesetze habe es bald wieder Unordnung gegeben.
  4. Die Gesetze seien nämlich heimlich übertreten worden.
  5. Die Religion habe die Ordnung wiederhergestellt.

„Da die Menschen die Gewalttaten nicht offen, sondern heimlich begingen, scheint mir ein kluger und vernünftiger Kopf die Furcht vor den Göttern erfunden zu haben, so dass die Missetäter Angst bekamen, auch wenn sie nur heimlich schlecht handelten, sprachen oder dachten.“

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