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Nabots Weinberg


Der Fall Nabot (1 Kön. 21,1–16)

In dieser Kriminalgeschichte ist die Schuld bereits erwiesen. Aller Verdacht muss auf Isebel fallen, König Ahabs Frau. Isebel, eine der Töchter König Etbaals von Phönizien, ist es nämlich, die auf die grausamste Art die Interessen ihres Mannes gegen Nabot durchsetzt, den Winzer mit dem schönen, hinter dem Palast bergan steigenden Weingut.

Abends ging Nabot, der Jesreelit, den Hügel hinauf; wo die Zweige sich öffneten, stand er lange und betrachtete das Erbstück des Vaters. Auch er hatte Anspruch auf Gehör.

Ein Zeuge zeigt sich während der Verhandlung bestürzt darüber, wie spärlich die Informationen fließen. Er verstehe die Logik des Prozesses nicht. Kein angeblicher Zeuge könne ihn dazu bringen, zu glauben, dass Nabot ein Lump gewesen sei.

Unten aus der Ebene blickten Türme und Häuserlasten zu Nabot hinauf. Des Königs Türme.

 
Arbeitsanregungen:

  1. Nabot erwartet ein trauriges Schicksal. Lies seine Geschichte (1 Kön. 21,1–16). Überlege: Wer könnte Nabot retten? Seine geliebte Frau Deborah (s. die Todesanzeige)? Oder sogar König Ahab selbst? Erfinde zu Nabots Geschichte ein neues Ende. Erzähle aus der Sicht Deborahs oder König Ahabs.
  2. Stell dir vor: Königin Isebel wird der Prozess gemacht. Inszeniere im Rahmen eines Rollenspiels eine spannende Gerichtsverhandlung.

 

Bei den Terebinthen

Immer das Gleiche und das jeden Tag, das bringt jeden um. Immer die gleichen Wege, die gleichen Weiden und Pflanzen. Abram hat das Wünschen jedoch nicht aufgegeben. Von Haran aus zieht er westwärts. Bei den Terebinthen von Mamre macht er Rast, stärker als sonst sich der Schwierigkeiten seines Wegs bewusst.
 
Können Wunschträume zu Visionen werden? Abram hat eine gewaltige Vision: In Mamre erscheint ihm Gott in dreifacher Form, in Gestalt von drei Männern.
In der Bibel heißt es:
„Und der HERR erschien ihm bei den Terebinthen von Mamre, während er am Eingang des Zelts saß, als der Tag am heißesten war. Er blickte auf und schaute sich um, sieh, da standen drei Männer vor ihm. Und er sah sie und lief ihnen vom Eingang des Zelts entgegen und warf sich nieder zur Erde“ (Gen. 18,1–2).

Arbeitsanregungen:

    Erzählt euch die Geschichte von Abraham. Teilt euch dazu in Gruppen ein und ordnet die Bilder der Abrahamerzählung in die richtige Reihenfolge.

 

Abraham

Abrahams Opferwille

Diesmal zog er ungern in die Fremde. In Mamre machte er Rast, stärker als sonst sich der Schwierigkeiten seines Gangs bewusst. Seiner Frau führte er vor Augen, wie knapp die Nahrungsmittel inzwischen seien: „Es sollte mich wundern, sollten wir dort eben so viel wie in Haran verdienen. Dort war das Leben einfach. Aber in Kanaan am Rande des Meeres laufen wir obendrein Gefahr, Opfer der von überallher eindringenden Piraten zu werden.“ Trotzdem bot er Gott dieses Opfer an: Gott sollte Macht über ihn haben. Sein Opferwille war gewaltig und schloss das Isaaksopfer ein. Vermutlich konnte er nur so zum „Vater der Menge“ (Abraham) werden.

Arbeitsanregungen:

  • Rufen Sie sich die vorangegangenen Geschichten über Abraham ins Gedächtnis: Wodurch ist Abram zum „Vater der Menge“ (Abraham) geworden?
  • Erstellen Sie eine Mindmap, in der Sie die Bestandteile des Opfermotivs je nach Nähe und Ferne zueinander eintragen.

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Die Sache Jesu

Von Klaus Berger stammt der Satz, dass es in der Bergpredigt um „etwas scheinbar Abseitiges“ gehe (Klaus Berger: Jesus. München 2007, S. 321). Das müsse bedacht werden, wenn die Bergpredigt recht interpretiert werden soll. So gibt es laut Berger keinen Grund, die Bergpredigt allein als „ethisches Fundament“ (ebd.) zu betrachten. Zwar werde auch auf dies reflektiert, auf den „Einsatz für die Opfer und Schwächeren in unserer Gesellschaft“ (ebd.). Dennoch sieht Berger keinen Grund dafür, den religiösen Anspruch in der Rede Jesu zu missachten. So sei auch ein utopischer Gehalt von vornherein auszuschließen. Wer mit dem Text vertraut ist, weiß, dass diese Interpretation in der Tat eine abenteuerliche Verkennung darstellt. Sinnvoll wird die Bergpredigt nämlich erst in ihrer religiösen Auslegung. Nichts könne daher die scheinbar abseitige Rede vom „Schatz im Himmel“ ersetzen (vgl. Mt 6,19–21), sie steht Klaus Berger zufolge im Zentrum der Worte Jesu (ebd.).

Die Bergpredigt enthält die Aufforderung, sich zu Gott hinzuwenden. „Der absolute Wert – der Schatz – ist für Matthäus die Anerkennung der Herrschaft Gottes und die bedingungslose Unterwerfung des Menschen unter sie“ (ebd.). Dieser Satz Bergers ist hart, weil er Distanz zur Welt anzeigt.

Die Seligpreisungen

Wer bereits alle Wünsche aufgebraucht hat, der kann im Grunde nicht fromm sein. Wer nur zu Haus sitzt und sich mit dem begnügt, was er hat, der kann wohl keinen Schatz im Himmel besitzen. Es gibt daher Grund genug für Jesus, die „Bettler“ (Mt 5,3) glücklich zu preisen. Denn nur die Armen im Geiste sind fromm, und ihre Wünsche sterben nicht aus. Es gibt viele Theorien darüber, worum es in der Bergpredigt (Mt 5–7) eigentlich geht. Vermutlich geht es hauptsächlich um die Frage, was Frömmigkeit ist, mit anderen Worten: welche Haltung Gott gegenüber angemessen ist. An der Bergpredigt wird fassbar: die tradierte Religion kann darauf keine Antwort mehr geben. Was in dieser als Gesetz vermittelt wird, soll sich ja in konkreter Gerechtigkeit vollenden. Deswegen ist in der Rede Jesu vermutlich auch von den „Klägern“ (Mt 5,4) die Rede. Denn es gibt einen Riss zwischen Gesetz und Gerechtigkeit. Es genügt eben nicht, sich an den Wortlaut des Gesetzes zu halten.

Matthäus 5,1–12

1 Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.
2 Dann begann er zu reden und lehrte sie.
3 Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; / denn ihnen gehört das Himmelreich.
4 Selig die Trauernden; /
denn sie werden getröstet werden.
5 Selig, die keine Gewalt anwenden; /
denn sie werden das Land erben.
6 Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; /
denn sie werden satt werden.
7 Selig die Barmherzigen; /
denn sie werden Erbarmen finden.
8 Selig, die ein reines Herz haben; /
denn sie werden Gott schauen.
9 Selig, die Frieden stiften; /
denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
10 Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; /
denn ihnen gehört das Himmelreich.
11 Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.
12 Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.

Arbeitsanregungen:

  • Machen Sie sich zunächst Ihre eigenen Wünsche bewusst und ordnen Sie Ihre Wünsche der Wichtigkeit nach. An welchen Wünschen hängen Sie besonders?
  • Welche Werte kommen in ähnlicher Form in der Bergpredigt vor?
  • Übertragen Sie die Seligpreisungen in Ihre Sprache.

Die Hölle, das sind die Römer!

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Das Problem der römischen Fremdherrschaft

Es herrscht Waffengewalt, Legionäre kontrollieren die Städte. Am Rande der von den Römern erbauten Straßen liegen Bettler und bitten um Almosen. Bauern, die die hohen Pachtzinsen der römischen Grundbesitzer nicht bezahlen können, verkaufen sich in die Schuldsklaverei. Marcus Florus, der Sohn eines Senators, ist ums Leben gekommen. Die Pächter des Senators hätten ihn ermordet, heißt es, als er den fälligen Pachtzins von ihnen forderte. Der Galiläer Jesus greift die Nachricht auf, als er diese und ähnliche Vorfälle den Pharisäern in Jerusalem vorträgt.

Er sagt (Markus 12,1–9):

Es pflanzte einer einen Weinberg, zog einen Zaun ringsum, grub eine Kelter und baute einen Turm. Dann verpachtete er ihn an Weinbauern und ging außer Landes. Und zu gegebener Zeit schickte er einen Knecht zu den Weinbauern, um von den Weinbauern seinen Anteil am Ertrag des Weinbergs einzuholen. Sie aber packten ihn und schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort. Da schickte er einen anderen Knecht zu ihnen; den schlugen sie auf den Kopf und misshandelten ihn. Und er schickte einen anderen, und den töteten sie, und viele andere, die einen schlugen sie, die anderen töteten sie. Einen hatte er noch: den geliebten Sohn. Den schickte er als letzten zu ihnen, denn er sagte sich: Vor meinem Sohn werden sie Respekt haben. Jene Weinbauern aber sagten zueinander: Das ist der Erbe. Kommt, wir wollen ihn töten, dann wird das Erbe uns gehören. Und sie packten ihn und töteten ihn und warfen ihn aus dem Weinberg. Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weinbauern umbringen und den Weinberg anderen geben.

Arbeitsanregungen:

  1. Diskutieren Sie, welche Haltung Jesus im Hinblick auf die römische Besatzung vertritt.
    Ziehen Sie zum Vergleich die folgende Textstelle heran: Markus 12,14–17!
  2. Schreiben Sie über die in dem vorliegenden Text (Markus 12,1–9) geschilderten Ereignisse zunächst einen Zeitungsbericht. Nehmen Sie dann in einem Zeitungskommentar darauf Bezug. Stellen Sie sich vor, dass beide Texte zur Zeit Jesu in einer Jerusalemer Zeitung erscheinen.

Hintergrundinformation:

Der Text ist dem Markusevangelium entnommen (Mk 12,1–9). Das Evangelium ist in den Jahren des jüdischen Krieges (66–70) entstanden. Es ist mit diesem Krieg auf unterschiedliche Weise verbunden, sei es im Bereich seiner Themen und Motive, sei es im Bereich der Figurengestaltung, sei es schließlich durch direkte Anspielungen wie der Prophezeiung der Zerstörung des Tempels (Mk 13,1–2). Durch die zahlreichen historischen Bezüge ergibt sich der geschichtliche Charakter des Evangeliums, wie er auch aus der vorliegenden Perikope hervorgeht.

Jesus und die Dämonen

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Immer schon werden Kranke als Sünder betrachtet. Krankheit gilt als Fluch der bösen Tat. Diese Ansicht ist in allen Religionen der Antike lebendig. Bei den Griechen und Römern ist Hekate, die Mutter aller Hexen, für alle möglichen Arten von Krankheiten verantwortlich. Stets ist sie von Geisterwesen umgeben. Diese lauern den Sündern, um ihnen zu schaden, an Wegkreuzungen und hinter Türen, in Vollmondnächten und bei Gräbern auf.
Der Glaube an Dämonen, die mit Krankheit strafen, ist auch im Judentum verbreitet.
Mit diesen Vorstellungen wird Jesus konfrontiert.

Wie verhält sich Jesus gegenüber den Dämonen?

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