Himmel über der Kirche

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Von der mystischen Kirche

Die organische Gliederung des Kirchenraums macht dem Betrachter das Problem bewusst: Das mit diesem Raum verbundene Konzept ist zerfallen. Die Kirche ist nicht die Welt, die sie zu sein vorgibt, und der Gang durch das Portal mit dem beeindruckenden Tympanon ist mitnichten mit dem Gang durch die Welt vergleichbar, über deren Gewölbe der Thron Gottes steht. Die Anschauung, dass der Kirchenraum den Kosmos in bildlicher Form reflektiere, kommt für den unmittelbaren Glaubensvollzug nur bedingt in Betracht.

Auf vier Grundvollzügen, so heißt es, baut sich die Kirche auf: leitourgia, diakonia, martyria und koinonia – durchwegs abstrakte Begriffe, falls an der traditionellen Kirchensymbolik festgehalten wird. Abstrakt ist nämlich die Vorstellung, dass die Liturgie der Gottesdienst der „Vollbürger der Himmelsstadt“ sei (Erik Peterson: Das Buch von den Engeln. In: Ders.: Ausgewählte Schriften, Bd. 1, Echter: Würzburg 1994, 198). Abstrakt ist daran auch die Anschauung, dass sich in der gottesdienstlichen Gemeinschaft die irdische Kirche „mit der himmlischen verein[e]“ (ebd. 202). Und wer die Enzyklika „Mediator Dei“, das erste päpstliche Lehrschreiben über die Feier der Liturgie, daraufhin durchliest, kommt zu folgender Definition: „Die heilige Liturgie […] stellt den gesamten öffentlichen Gottesdienst des mystischen Leibes Jesu Christi dar, seines Hauptes nämlich und seiner Glieder“ (MD 228).

Der mystisch leuchtende Sternenhimmel, der sich auf mancher Kirchendecke findet, ist aber nicht die einzige gangbare Landkarte für die Kirche. Stattdessen sollte das Brüchige, das Übersichhinausweisende dieses Himmels als letzte Wirklichkeit gesetzt werden.

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