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Der Aufstieg aus der Höhle

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Platons Höhlengleichnis als Seinsgleichnis

Platons Höhlengleichnis kann auch als Seinsgleichnis gedeutet werden. Entscheidend dabei ist es, den Aufstieg aus der Höhle zu verstehen. Der Aufstieg ist der Schlüssel zum Verständnis des Gleichnisses. Denn den Aufstieg zu begreifen, heißt, die unterschiedlichen Stufen des Seins ermessen zu können. Nur der, der die Höhle verlässt, kann die Meinungen der Höhlenbewohner im Hinblick auf die Wirklichkeit außerhalb der Höhle kritisch prüfen. Er weiß Schein und Sein zu unterscheiden. Er hat einen Begriff von realer und hypothetischer Existenz. Nur er kann sagen, was wirklich ist, ob beispielsweise Einhörner existieren oder die verschwundene Insel Atlantis mehr ist als bloßer Inhalt der Vorstellung.

Außerhalb der Höhle existieren Sonne, Mond und Sterne, aber auch Bäume, Städte und Menschen, kurz gesagt: die Realität, deren unvollkommene Nachbildung innerhalb der Höhle gezeigt wird. Außerhalb der Höhle ist es möglich, die Realität im Lichte der (ontologischen) Vernunft zu betrachten. Platons Höhlengleichnis beruht also auf der Idee, dass der Aufstieg aus der Höhle eine „Zusammenschau“, d. h. den Blickwinkel Gottes ermöglicht.

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Der Weg aus der Höhle

Immer schon ist das platonische Höhlengleichnis in dem Sinne verstanden worden, dass es über den Wert der Philosophie aufkläre. Die Philosophie befreit demnach die Gefangenen aus der Höhle. Die Frage lautet, ob auch die Religion dazu in der Lage ist, die von Sokrates beschriebenen Gefangenen zur Sonne zu führen. Manche werden dagegen einwenden, dass es nicht erlaubt sei, das Höhlengleichnis auf diese Weise neu zu interpretieren. Sie können mit Recht auf den von Platon selbst intendierten Sinn verweisen. Dieser betrachtet es nämlich als die Aufgabe der Philosophen, die Gefangenen über die Wahrheit der Bilder in der Höhle zu unterrichten. Von Gläubigen oder gar Theologen ist in diesem Text keine Rede.

Der Kinofilm „Matrix“ von Andy und Larry Wachowski aus dem Jahr 1999 bedient sich des Höhlengleichnisses in vielerlei Beziehung. Bereits der Filmtitel, welcher ins Deutsche übersetzt die Gebärmutter bezeichnet, stellt eine Anspielung auf die Höhlenmetapher dar. Aber die Brüder Wachowski wandeln ihre berühmte Vorlage in ein religiöses Gleichnis um. Neo alias Thomas Anderson ist der Erlöser.